📌 Allgemeine Hinweise
Das Ursachen-Wirkungs-Diagramm (auch Ishikawa-Diagramm oder Fischgräten-Diagramm) ist ein Analyse- und Problemlösungswerkzeug, das dabei hilft, systematisch die Ursachen eines Problems zu identifizieren und zu strukturieren.
Es wird häufig im Qualitätsmanagement, in der Prozessverbesserung, im Projektmanagement sowie in Workshops und Teammeetings eingesetzt.
Das Werkzeug ist einfach anzuwenden, erfordert jedoch konsequentes, strukturiertes Denken und eine moderierte Zusammenarbeit, um seinen vollen Nutzen zu entfalten.
🎯 Bestimmungsgemäße Verwendung
Das Ursachen-Wirkungs-Diagramm dient dazu:
- ein klar definiertes Problem (Wirkung) zu analysieren
- mögliche Ursachen systematisch zu sammeln
- Zusammenhänge zwischen Ursachen sichtbar zu machen
- die Grundlage für gezielte Verbesserungsmaßnahmen zu schaffen
Es ist nicht zur direkten Lösung gedacht, sondern zur Ursachenfindung und -strukturierung.
ℹ️ Hintergrundinformationen zu dem Werkzeug
Das Diagramm wurde von Kaoru Ishikawa, einem japanischen Qualitätsmanagement-Experten, entwickelt.
Seine charakteristische Form erinnert an ein Fischskelett:
- Der Fischkopf stellt das Problem (die Wirkung) dar
- Die Gräten stehen für Hauptursachenkategorien
- Die Nebengräten zeigen konkrete Einzelursachen
Häufig genutzte Ursachenkategorien sind die 6M oder 7M:
- Mensch
- Maschine
- Material
- Methode
- Milieu / Mitwelt (Umwelt)
- Messung
- Management
Je nach Anwendungsfall können die Kategorien angepasst oder erweitert werden.
🔁 Welche Werkzeuge alternativ verwendet werden können
Alternativen zur Ursachenanalyse sind unter anderem:
- 5-Why-Methode: Fokussiert auf das wiederholte Fragen nach „Warum?“ bis zur Wurzelursache, ohne grafische Fischgräten‑Struktur.
- Fehlerbaumanalyse (Fault Tree Analysis, FTA): Zeigt Ursachen hierarchisch in Baumform, oft mit logischen Verknüpfungen (UND/ODER), besonders in sicherheitskritischen Bereichen.
- Brainstorming ohne Struktur: für die Sammlung von Ideen zur Ursachenfindung.
- Mindmapping: Für die kreative und strukturierte Darstellung von Zusammenhängen.
- Pareto-Analyse (80/20-Prinzip): Priorisiert Probleme/Ursachen nach Bedeutung (z. B. 80/20‑Regel), ersetzt aber nicht die detaillierte Ursachenfindung
- FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse): Beurteilt potenzielle Fehler in Prozessen.
🔧 Welche anderen Werkzeuge unterstützen können
Das Ursachen-Wirkungs-Diagramm wird häufig ergänzt durch:
- Brainstorming-Techniken: zur Ideensammlung; liefert die Rohideen, die anschließend im Diagramm angeordnet werden.
- Prozessdiagramme / Flowcharts: helfen, Prozessschritte zu verstehen, die dann als Kategorien oder Ursachen im Diagramm auftauchen.
- Checklisten: helfen, Prozessschritte zu verstehen, die dann als Kategorien oder Ursachen im Diagramm auftauchen.
- Datenanalysen oder Kennzahlen
Die Kombination erhöht die Aussagekraft erheblich.
👥 Benötigte Personen
- 1 Moderator / Moderatorin: führt durch den Prozess
- 2–8 Fachkundige aus dem betroffenen Bereich
- Optional: externe Beobachter oder Experten
Wichtig: Unterschiedliche Perspektiven verbessern die Qualität der Analyse.
⏱️ Dauer
- Kleine Probleme: 30–60 Minuten
- Komplexe Probleme: 1–2 Stunden oder mehr
Die Dauer hängt stark von der Problemkomplexität und der Gruppengröße ab.
🗂️ Benötigtes Material
- Whiteboard, Flipchart oder großes Papier
- Stifte in mehreren Farben
- Haftnotizen (optional)
- Digitale Alternativen: Whiteboard-Tools, Präsentationssoftware, QM-Software
🧩 Gerätebeschreibung / Bauplan
Das Ursachen-Wirkungs-Diagramm besteht aus:
- Horizontale Hauptlinie (Rückgrat des Fisches)
- Problemdefinition am rechten Ende (Fischkopf)
- Schräg angesetzte Hauptgräten (Ursachenkategorien)
- Kleinere Nebengräten (konkrete Ursachen)

🚀 Inbetriebnahme
- Problemdefinition: Formuliere das Problem klar und präzise
- Diagrammgrundform zeichnen: Zeichen den Fischkopf und die Gräten
- Ursachenkategorien festlegen: Entscheide dich für die Hauptkategorien (Mensch, Maschine, Material, Methode, Milieu/Umwelt, Messung und ggf. Management)
- Team einführen: Informiere die Teilnehmenden über Ziel und Vorgehen
Ohne klare Problemdefinition ist das Werkzeug nicht funktionsfähig.
⚙️ Bedienung
- Definition des Problems / der Wirkung: Legt das genaue Problem fest und notiert es am Kopf des Diagramms.
- Hauptursachenkategorien als Gräten: Zeichnet die Hauptursachenkategorien als Gräten an den Fischrumpf (Mittellinie).
- Ursachen brainstormen und zuordnen: Nutzen Sie Brainstorming, um für jede Kategorie mögliche Ursachen zu finden, und tragen Sie diese als Nebenäste an die jeweilige Hauptgräte ein
- Bei Bedarf Ursachen weiter verfeinern: Prüfen Sie, ob einzelne Ursachen weiter zerlegt werden können
- Ursachen bewerten: Nach dem Sammeln diskutiert das Team, welche Ursachen besonders wahrscheinlich oder einflussreich sind, und markiert diese.
🔄️ Wartung & Pflege
- Regelmäßige Aktualisierung: Überarbeite die Diagramme regelmäßig, wenn neue Erkenntnisse vorliegen.
- Dokumentation: Ergebnisse dokumentieren und archivieren.
- Maßnahmen ableiten: Überführe Erkenntnisse in Maßnahmen.
- Regelmäßige Wiederholung: Nutze das Tool nicht „einmalig“, sondern kontinuierlich.
🌟 Expertentipps
- Einsatz von Farben: Nutzen Sie Farben zur Kategorisierung der Ursachen, um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten.
- Verwendung von Techniken: Kombinieren Sie das Diagramm mit der 5-Why-Methode für eine tiefere Ursachenanalyse.
- Einbeziehung aller Stimmen: Stellen Sie sicher, dass alle im Team die Möglichkeit zur Beteiligung haben.
📝 Beispiel
Problem: Hohe Lieferverzögerungen
Ursachenkategorien:
- Mensch: fehlende Schulung, Personalmangel
- Maschine: häufige Ausfälle
- Methode: unklare Prozesse
- Material: verspätete Zulieferungen
- Milieu: hohe Auftragslast
- Messung: keine verlässlichen Kennzahlen
