📌 Allgemeine Hinweise:
Die 1-2-3-Methode ist ein einfaches, schnelles Strukturierungswerkzeug, um Ideen im Innovationsmanagement von der groben Orientierung bis zur klaren Umsetzung zu entwickeln. Sie hilft Teams, Innovationsvorhaben schrittweise zu klären, zu priorisieren und handlungsfähig zu machen. Die 1-2-3-Methode eignet sich besonders für frühe Phasen eines Innovationsprozesses. Sie ist bewusst einfach gehalten und kann ohne spezielle Software durchgeführt werden.
🎯 Bestimmungsgemäße Verwendung:
Die Methode wird eingesetzt, wenn
- ein Problem oder eine Herausforderung neu betrachtet werden soll,
- zu einer ersten Idee weitere Alternativen gesucht werden,
- ein Team schnell mehrere Lösungsansätze entwickeln soll,
- Denkblockaden überwunden werden sollen,
- eine Grundlage für die anschließende Auswahl oder Bewertung von Ideen benötigt wird.
Sie eignet sich sowohl für Produkt- und Serviceinnovationen als auch für Prozess-, Organisations- und Geschäftsmodellinnovationen.
ℹ️ Hintergrundinformationen zu dem Werkzeug:
Ein typisches Problem im Innovationsmanagement ist die sogenannte Fixierung auf die erste Idee. Sobald eine vermeintlich gute Lösung gefunden wurde, wird häufig nicht mehr nach Alternativen gesucht. Die 1-2-3-Methode wirkt diesem Effekt entgegen, indem sie bewusst mehrere Lösungsrichtungen fordert. Dadurch wird die Perspektive erweitert und die Wahrscheinlichkeit erhöht, eine ungewöhnliche oder bessere Lösung zu entdecken. Die Methode lässt sich deshalb gut mit Prinzipien des divergenten Denkens verbinden: Zunächst wird die Zahl und Vielfalt der Möglichkeiten erhöht, bevor die vielversprechendsten Ansätze ausgewählt werden.
🔁 Welche Werkzeuge alternativ verwendet werden können:
- Brainstorming: wenn möglichst viele Ideen gesammelt werden sollen.
- 6-3-5-Methode: wenn systematisch viele Ideen von mehreren Personen entwickelt werden sollen.
- SCAMPER: wenn eine bestehende Lösung gezielt verändert werden soll.
- Morphologischer Kasten: wenn verschiedene Lösungsmerkmale miteinander kombiniert werden sollen.
- Design Thinking: wenn die Innovation stark an Kundenbedürfnissen ausgerichtet werden soll.
- TRIZ: wenn technische Probleme systematisch gelöst werden sollen.
🔧 Welche anderen Werkzeuge unterstützen können:
Die 1-2-3-Methode kann beispielsweise kombiniert werden mit:
- Persona oder Customer Journey: um die Nutzerperspektive einzubeziehen,
- Mindmap: um das Problemfeld zu strukturieren,
- Brainwriting: um zunächst unabhängig voneinander Ideen zu sammeln,
- Nutzwertanalyse_ um die entwickelten Varianten zu bewerten,
- Prototyping, um die interessanteste Variante praktisch zu testen,
- Business Model Canvas: wenn aus einer Idee ein Geschäftsmodell entwickelt werden soll.
👥 Benötigte Personen:
Optimal sind 2–6 Personen.
Die Methode kann auch allein durchgeführt werden. Bei Teamarbeit empfiehlt sich eine heterogene Gruppe, beispielsweise mit Personen aus Entwicklung, Vertrieb, Produktion und Kundenservice. Unterschiedliche Erfahrungen fördern unterschiedliche Lösungsansätze.
⏱️ Dauer:
Für einen vollständigen Durchlauf werden ungefähr 60 bis 120 Minuten benötigt.
| Arbeitsschritt | Richtwert |
|---|---|
| Problem und Ziel klären | 10–15 Minuten |
| Zwei Lösungsrichtungen entwickeln | 20–30 Minuten |
| Drei Experimente definieren | 20–30 Minuten |
| Ergebnisse vergleichen und nächste Schritte festlegen | 15–30 Minuten |
Für eine sehr kurze Version reichen etwa 30 Minuten. Für komplexe Fragestellungen sollten zusätzlich Nutzerinterviews, Datenanalysen oder technische Fachprüfungen eingeplant werden.
🗂️ Benötigtes Material:
Benötigt werden:
- großes Whiteboard, Pinnwand oder digitales Kollaborationstool
- Haftnotizen in mindestens drei Farben
- Moderationskarten
- Stifte
- Klebepunkte für die Priorisierung
- Timer
- Vorlage mit drei Bereichen: 1 – 2 – 3
- gegebenenfalls vorhandene Kundendaten, Prozessdaten oder Beschwerden
- Material für einfache Prototypen, zum Beispiel Papier, Stifte, Karton oder digitale Mock-up-Software
Eine einfache Arbeitsfläche kann so aufgebaut werden:
| Bereich 1 | Bereich 2 | Bereich 3 |
|---|---|---|
| Das eine Problem | Die zwei Lösungsrichtungen | Die drei Experimente |
| Beobachtungen und Fakten | Ansatz A / Ansatz B | Test 1 / Test 2 / Test 3 |
🧩 Gerätebeschreibung / Bauplan:
Die „Maschine“ besteht im Grunde aus drei aufeinanderfolgenden Arbeitsstufen:
1 → Ausgangspunkt
Problem, Kundenbedürfnis oder bestehende Idee eindeutig formulieren.
2 → Denk- und Lösungsrichtungen
Zwei möglichst unterschiedliche Perspektiven oder Lösungsrichtungen entwickeln.
3 → Lösungsvarianten
Aus den beiden Richtungen mindestens drei konkrete und beschreibbare Lösungsvarianten ableiten.
Eine einfache Vorlage kann so aussehen:
| Stufe | Aufgabe | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 | Was ist das Problem? | Eine klar formulierte Herausforderung |
| 2 | Welche zwei unterschiedlichen Wege gibt es? | Zwei Lösungsrichtungen |
| 3 | Welche konkreten Lösungen können daraus entstehen? | Drei oder mehr Varianten |
🚀 Inbetriebnahme:
- Herausforderung definieren: Formuliere das Problem möglichst konkret.
- Ziel festlegen: Kläre, was am Ende verbessert oder neu geschaffen werden soll.
- Ausgangssituation notieren: Schreibe die aktuelle Lösung bzw. den aktuellen Zustand auf.
- Team informieren: Erkläre, dass zunächst keine Bewertung stattfindet.
- Timer starten: Für die einzelnen Phasen kurze Zeitvorgaben festlegen.
⚙️ Bedienung:
- Schritt: Eine Ausgangsfrage formulieren
Formuliere eine offene Innovationsfrage.
Beispiel: „Wie können wir unseren Kunden die Bestellung einfacher machen?“
Die Frage sollte nicht bereits eine bestimmte Lösung vorgeben. - Schritt: Zwei unterschiedliche Richtungen entwickeln
Überlege bewusst zwei möglichst unterschiedliche Wege.
Zum Beispiel:
Richtung A: Der Kunde bestellt schneller und mit weniger Eingaben.
Richtung B: Das Unternehmen unterstützt den Kunden stärker bei der Auswahl.
Die beiden Richtungen sollen sich möglichst deutlich unterscheiden. - Schritt: Drei konkrete Lösungen entwickeln
Aus den Denkrichtungen werden nun konkrete Varianten abgeleitet.
Beispielsweise:
1. Ein-Klick-Bestellung für bereits bekannte Produkte.
2. Persönlicher Bestellassistent, der passende Produkte vorschlägt.
3. Automatische Wiederbestellung, wenn ein Produkt voraussichtlich aufgebraucht ist. - Anschließend: Bewerten und auswählen
Erst jetzt werden die Varianten miteinander verglichen.
Mögliche Bewertungskriterien sind:- Kundennutzen
- Innovationsgrad
- technische Machbarkeit
- Kosten
- Zeit bis zur Umsetzung
- strategische Bedeutung
Die beste Variante wird anschließend weiterentwickelt oder prototypisch getestet.
🔄️ Wartung & Pflege:
Für eine gute Anwendung sollte regelmäßig überprüft werden:
- Sind die Ausgangsfragen noch relevant?
- Werden tatsächlich unterschiedliche Perspektiven entwickelt?
- Werden Ideen zu früh bewertet?
- Werden auch ungewöhnliche Lösungen zugelassen?
- Werden die Ergebnisse dokumentiert?
- Was wurde aus den entwickelten Ideen?
🌟 Expertentipps:
- Nicht zu früh bewerten: Kritik während der Ideengenerierung bremst die Kreativität.
- Unterschiedlichkeit erzwingen: Die zwei Richtungen sollten nicht nur leicht voneinander abweichen.
- Radikale Varianten zulassen: Eine zunächst unrealistisch wirkende Idee kann wichtige Impulse liefern.
- Problem statt Lösung formulieren: „Wie können wir …?“ ist meist besser als „Wie bauen wir …?“
- Zeitdruck nutzen: Kurze Zeitvorgaben verhindern endlose Diskussionen.
- Erst Quantität, dann Qualität: Zunächst Varianten erzeugen, anschließend bewerten.
- Kundenperspektive einbauen: Die beste Lösung für das Unternehmen muss nicht automatisch die beste Lösung für den Kunden sein.
- Ergebnisse visualisieren: Sichtbare Varianten erleichtern den anschließenden Vergleich.
📝 Beispiel:
Ausgangssituation:
Ein Onlinehändler stellt fest, dass Kunden den Bestellvorgang häufig abbrechen.
1 – Ausgangsproblem:
„Wie können wir den Bestellvorgang für unsere Kunden einfacher machen?“
2 – Zwei Lösungsrichtungen
Richtung A: Weniger Aufwand für den Kunden
- weniger Eingaben
- gespeicherte Daten
- vereinfachter Checkout
Richtung B: Mehr Unterstützung für den Kunden
- Produktempfehlungen
- Bestellassistent
- automatische Hinweise
3 – Drei Lösungsvarianten
Variante 1: Express-Checkout
Stammkunden können mit wenigen Klicks bestellen.
Variante 2: Intelligenter Bestellassistent
Das System führt den Kunden Schritt für Schritt durch den Kauf.
Variante 3: Automatische Nachbestellung
Häufig gekaufte Produkte werden dem Kunden zum passenden Zeitpunkt zur Nachbestellung vorgeschlagen.
Auswahl
Die drei Varianten werden beispielsweise nach Kundennutzen, Aufwand und erwarteter Wirkung bewertet. Die vielversprechendste Variante wird anschließend als Prototyp umgesetzt und mit Kunden getestet.
Merksatz:
1 Ausgangsproblem → 2 unterschiedliche Denkwege → 3 konkrete Lösungsvarianten → beste Variante auswählen und testen.
