📌 Allgemeine Hinweise:
Die 5-Why-Methode ist eine Technik zur Ursachenermittlung, die verwendet wird, um die tiefere Ursache eines Problems zu identifizieren. Sie beruht auf dem Prinzip, durch wiederholtes Fragen nach „Warum?“ zu den grundlegenden Ursachen eines Problems zu gelangen.
🎯 Bestimmungsgemäße Verwendung:
Die 5-Why-Methode wird eingesetzt, um:
- die wahre Ursache eines Problems zu identifizieren,
- Symptome von Ursachen zu unterscheiden,
- nachhaltige Problemlösungen zu entwickeln,
- Wiederholfehler zu vermeiden.
Typische Einsatzbereiche:
- Alltagsprobleme in Teams oder Organisationen
- Qualitätsmanagement
- Prozessverbesserung
- Projektarbeit
- Retrospektiven
- Fehler- und Reklamationsanalysen
ℹ️ Hintergrundinformationen zu dem Werkzeug:
Die 5-Why-Methode wurde von Taiichi Ohno, dem Mitbegründer des Toyota-Produktionssystems (Toyota Production System), entwickelt, und wurde dort als Teil der kontinuierlichen Verbesserung (Kaizen) genutzt. Das Toyota Production System geht von der Grundannahme aus, dass Hinter jedem Problem eine Ursache steckt – und hinter dieser oft weitere. Die 5-Why-Methode ist Teil des Lean-Management-Ansatzes und zielt darauf ab, Prozesse durch Eliminierung von Verschwendung zu optimieren. Durch das Verständnis der Ursachen können nachhaltige Lösungen gefunden werden.
🔁 Welche Werkzeuge alternativ verwendet werden können:
- Ursachen-Wirkungs-Diagramm (Ishikawa-Diagramm): Visualisierung von Ursachen und Wirkungen für komplexere Problematiken.
- Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA):zur Identifizierung von Risiken und präventiver Analyse.
- Pareto-Analyse: Identifiziert die häufigsten Ursachen oder Probleme, um gezielte Maßnahmen zu ergreifen.
- 5-Phase-Problem-Lösungsprozess: Strukturierter Ansatz, der von Definition über Analyse zu Lösungen führt.
🔧 Welche anderen Werkzeuge unterstützen können:
- Prozessdarstellungen (Flowchart, Swimlane): um das Problem im Ablauf genau zu verorten.
- Whiteboard oder Flipchart: Für visuelle Aufzeichnungen der Fragen und Antworten.
- Notizen und Dokumentationstools: Für das Festhalten von Erkenntnissen.
- Team-Kollaborationstools: Wie Miro oder Trello, um Diskussionen und Ideen zu organisieren.
👥 Benötigte Personen:
- Moderation: Eine Person, die die Sitzung leitet und die Fragen stellt.
- Teammitglieder: Beteiligte, die Einblick in das Problem haben und Lösungen beitragen können.
- Fachleute: Wenn nötig, Experten, die zur Problemlösung beitragen können.
⏱️ Dauer:
Ein 5-Why-Workshop dauert in der Regel zwischen 30 Minuten und 1,5 Stunden, je nach Komplexität des Problems und Anzahl der Teilnehmer.
🗂️ Benötigtes Material:
- Whiteboard oder Flipchart: Für visuelle Darstellungen und Notizen.
- Marker oder Stifte: Zum Schreiben und Visualisieren der Antworten.
- Kopien von Problembeschreibungen: Falls nötig, um den Kontext zu verstehen.
🧩 Gerätebeschreibung / Bauplan:
Bauteile des Werkzeugs:
- Problemdefinition – klar, konkret, beobachtbar
- Warum-Frage – wiederholt gestellt
- Antworten – faktenbasiert, nicht wertend
- Kausalkette – logische Verbindung der Antworten
- Wurzelursache – beeinflussbar und lösbar
- Maßnahme – verhindert das erneute Auftreten
Textlich sieht das z. B. so aus:
- Problem: …
- Warum? → Antwort 1
- Warum? → Antwort 2
- Warum? → Antwort 3
- Warum? → Antwort 4
- Warum? → Antwort 5 (Wurzelursache)
- Warum? → Antwort 4
- Warum? → Antwort 3
- Warum? → Antwort 2
- Warum? → Antwort 1
Jede Stufe hängt logisch von der vorherigen ab; die Kette soll nachvollziehbar und prüfbar sein.
🚀 Inbetriebnahme:
- Vorbereitung: Das Problem klar definieren und die Teilnehmenden über den Ablauf informieren.
- Ressourcen bereitstellen: Materialien und Tools für die Sitzung organisieren.
- Sitzung einleiten: Die Grundregeln für die offene Kommunikation festlegen.
⚙️ Bedienung:
- Fragen stellen: Beginne mit der ersten Frage: „Warum ist dieses Problem aufgetreten?“
- Antworten erfassen: Jede Antwort führt zu einer weiteren Frage, bis die Gesamtheit der fünf „Warum?“ erreicht ist.
- Diskussion: Alle Teilnehmenden sollten in den Prozess eingebunden werden, um unterschiedliche Perspektiven zu integrieren.
- Ergebnisse dokumentieren: Am Ende sollten die Ergebnisse klar zusammengefasst und dokumentiert werden.
🔄️ Wartung & Pflege:
- Dokumentation: 5-Why-Ketten aufbewahren (z. B. in einer Problem- oder Lessons-Learned-Sammlung).
- Regelmäßiger Einsatz: Die Methode als Standard-Schritt bei wiederkehrenden Problemen etablieren (z. B. im KVP- oder Retrospektiven-Prozess).
- Qualitätssicherung: Ergebnisse gelegentlich überprüfen – wurden wirklich Ursachen und nicht nur Symptome identifiziert?
- Weiterentwicklung: Erkenntnisse aus mehreren Analysen nutzen, um systemische Themen zu erkennen (z. B. Schulungsbedarf, fehlende Standards).
🌟 Expertentipps:
- Einfach bleiben: Lagere die Diskussion nicht in detaillierte technische Ursachen aus, sondern konzentriere dich auf die grundlegenden Aspekte.
- Ein Problem je Analyse: Nicht mehrere Themen mischen; lieber mehrere 5-Why-Ketten starten.
- Unvoreingenommenheit: Sei offen für alle Antworten und vermeide Schuldzuweisungen. Fokussiere dich auf das Problem, nicht auf die Personen.
- Flexibilität: Es kann notwendig sein, mehr oder weniger als fünf „Warum?“ zu stellen, je nach Komplexität des Problems.
- Visualisieren: Die Kette sichtbar machen (Wand, digitales Board) – das verbessert Verständnis und Qualität der Diskussion.
📝 Beispiel:
Ein Beispiel für die Anwendung der 5-Why-Methode könnte sein:
Problem: Ein Produkt hat Qualitätsprobleme.
- Warum hat das Produkt Qualitätsprobleme?
→ Weil es fehlerhaft zusammengesetzt wurde. - Warum wurde es fehlerhaft zusammengesetzt?
→ Weil die Anleitung nicht klar war. - Warum war die Anleitung nicht klar?
→ Weil sie nicht gründlich getestet wurde. - Warum wurde sie nicht gründlich getestet?
→ Weil nicht genügend Zeit für die Erstellung eingeplant war. - Warum war nicht genügend Zeit eingeplant?
→ Weil der ursprüngliche Projektzeitrahmen zu ambitioniert war.
Hierbei wurde die Grundursache für das Qualitätsproblem identifiziert und ein spezifischer Plan zur Verbesserung der Anweisungen und des Zeitmanagements entwickelt.
