Kano-Modell


📌 Allgemeine Hinweise:

Das Kano-Modell ist ein Werkzeug zur Analyse von Kundenanforderungen und deren Einfluss auf die Zufriedenheit. Es kategorisiert Produkteigenschaften in verschiedene Klassen, um zu verstehen, welche Merkmale die Kundenzufriedenheit steigern oder mindern.


🎯 Bestimmungsgemäße Verwendung:

Das Kano-Modell wird verwendet, um:

  • Kundenbedürfnisse zu identifizieren: Verstehen, was Kunden tatsächlich wollen.
  • Produkteigenschaften zu priorisieren: Entscheiden, welche Merkmale entwickelt oder verbessert werden sollten.
  • Produktstrategien zu entwickeln: Richtlinien zur Produktentwicklung basierend auf Kundenfeedback aufstellen.

ℹ️ Hintergrundinformationen zu dem Werkzeug:

Das Kano-Modell wurde von Dr. Noriaki Kano in den 1970er/80er Jahren entwickelt und unterscheidet zwischen verschiedenen Typen von Produkteigenschaften, die eine unterschiedliche Wirkung auf die Kundenzufriedenheit haben. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass nicht alle Produktmerkmale die Zufriedenheit gleich beeinflussen: Manche sind selbstverständlich, andere differenzieren stark, wieder andere wirken nur bei Übererfüllung. Es hilft Unternehmen, die richtigen Funktionen zu priorisieren, um die Kundenbindung und -zufriedenheit zu maximieren.


🔁 Welche Werkzeuge alternativ verwendet werden können:

  • Customer Satisfaction Surveys: Direkte Umfragen zur Erfassung von Kundenmeinungen.
  • SWOT-Analysen: Zur Bewertung von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken.
  • Design Thinking: Ein kreativer Prozess zur Lösung von Problemen unter Berücksichtigung von Kundenbedürfnissen.
  • MoSCoW-Methode: ein Standard-Priorisierungs-Verfahren.

🔧 Welche anderen Werkzeuge unterstützen können:

  • Methoden zur Ideengenerierung: z. B. Design Thinking, Brainstorming, Value Proposition Canvas; zur Ermittlung möglicher Features.
  • Wissensdatenbanken (z. B. Confluence, MS SharePoint): Zur Dokumentation und Analyse von Kundenfeedback und Trends.
  • Projektmanagement-Software: Für die Planung und Umsetzung von Produktentwicklungsstrategien.
  • Visualisierungstools: Zur grafischen Darstellung der Ergebnisse des Kano-Modells.

👥 Benötigte Personen:

  • Produkt- oder Serviceverantwortliche (Product Owner, Produktmanager, Service-Designer): Verantwortlich für die Entwicklung und Implementierung der Produkt- und Dienstleistugnsstrategien.
  • Marktforscher: Zur Analyse des Kundenfeedbacks und zur Durchführung von Umfragen.
  • Entwicklungsteam: Zur Umsetzung der identifizierten Produkterfordernisse.

⏱️ Dauer:

Die Anwendung des Kano-Modells kann zwischen 2 und 6 Stunden in Anspruch nehmen, abhängig von der Anzahl der Kunden, die befragt werden, und der Komplexität des Produkts.


🗂️ Benötigtes Material:

  • Fragebögen: Zur Sammlung von Kundenfeedback.
  • Visualisierungssoftware: Zum Erstellen von Diagrammen und Grafiken.
  • Tafeln oder Whiteboards: Für die gemeinsame Analyse während Workshops.

🧩 Gerätebeschreibung / Bauplan:

Das Kano-Modell besteht aus einer Matrix, die Merkmale in verschiedene Kategorien einteilt:

  1. Basismerkmale (Must-be): Notwendig, um Kundenanforderungen zu erfüllen.
  2. Leistungsmerkmale (One-dimensional): Direkt proportional zur Kundenzufriedenheit.
  3. Begeisterungsmerkmale (Attractive): Unerwartete Features, die die Zufriedenheit stark erhöhen.
  4. Unerhebliche Merkmale (Indifferent): Merkmale, die keinen oder nur wenig Einfluss auf die Zufriedenheit haben.
  5. Rückweisungsmerkmale (Reverse): Merkmale, die die Zufriedenheit negativ beeinflussen.

🚀Inbetriebnahme:

  1. Produkt oder Dienstleistung definieren: Festlegen, welche Produktmerkmale analysiert werden sollen.
  2. Ziele festlegen: Kläre Ziel und Scope – z.B. „Welche Features unserer App sollen wir für das nächste Release priorisieren?“
  3. Merkmale festlegen: Stelle eine überschaubare, aber vollständige Liste von Merkmalen zusammen, die du bewerten möchtest (z.B. 10–30 Merkmale)
  4. Zielgruppe definieren: Wähle eine Zielkundengruppe, die für dein Produkt repräsentativ ist (Bestandskunden, Beta-Tester, Zielpersona)
  5. Kundenbefragung designen: Erstelle einen Fragebogen, um Kundenfeedback zur Bewertung der Merkmale zu erhalten.
  6. Daten sammeln: Führe die Umfragen durch und sammeln Sie das Feedback von Kunden.

⚙️ Bedienung:

  1. Kundenfeedback analysieren: Werte die Daten aus den Umfragen aus und trage sie in die Kano-Matrix ein.
  2. Kategorisieren der Merkmale: Ornde die Produkteigenschaften in die jeweiligen Kano-Kategorien einordnen.
    • Basismerkmal (Must-be)
    • Leistungsmerkmal (One-dimensional)
    • Begeisterungsmerkmal (Attractive)
    • Unerhebliche Merkmal (Indifferent)
    • Rückweisungsmerkmal (Reverse)
  3. Priorisieren von Merkmalen: Bestimme, welche Merkmale am dringendsten entwickelt oder verbessert werden müssen.
  4. Ergebnisse umsetzen: Leite Maßnahmen ab und entwickle Strategien zur Umsetzung basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen.

🔄️ Wartung & Pflege:

  • Regelmäßige Überprüfungen: Führe jährliche Befragungen durch, um Veränderungen in Kundenbedürfnissen zu erkennen.
  • Merkmalliste aktualisieren: Aktualisiere die Merkmalsliste, wenn sich dein Produkt, der Markt oder die Zielgruppe verändert.
  • Anpassung der Produkte: Bei veränderten Kundenwünschen sollten die Merkmale überprüft und neu kategorisiert werden.
  • Dokumentation: Dokumentiere Kategorien und Entscheidungen, damit Produkt- und Entwicklungsteams längerfristig darauf zugreifen können.

🌟 Expertentipps:

  • Klar formuliert darstellen: Stelle sicher, dass die Fragen in den Umfragen klar und präzise sind.
  • Verbindung zu anderen Daten: Kombiniere die Ergebnisse des Kano-Modells mit anderen Marktanalysen, um umfassendere Einblicke zu gewinnen.
  • Kunden einbeziehen: Beziehe Kunden in den Entwicklungsprozess ein, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse ihren Erwartungen entsprechen.

📝 Beispiel:

Beispiel für ein Kano-Modell zu einer Wissensdatenbank

Ziel: Erstellung eines Kano-Modells für eine Wissensdatenbank, die Benutzer dabei unterstützt, Informationen effizient zu finden und zu teilen.

Merkmale der Wissensdatenbank:

  1. Suchfunktion
  2. Benutzerfreundliche Oberfläche
  3. Kategorisierung von Inhalten
  4. Integration von Videos und Tutorials
  5. Feedback-Möglichkeit für Artikel
  6. Mobile Zugänglichkeit
  7. Automatische Aktualisierung von Inhalten
  8. Interaktive FAQs

Kano-Kategorisierung:

MerkmaleKategorieBeschreibung
SuchfunktionBasismerkmal (Must-be)Notwendig, um grundlegende Informationen schnell zu finden.
Benutzerfreundliche OberflächeLeistungsmerkmal (One-dimensional)Je intuitiver die Oberfläche, desto höher die Zufriedenheit.
Kategorisierung von InhaltenBasismerkmal (Must-be)Notwendig, um Inhalte strukturiert und auffindbar zu halten.
Integration von Videos und TutorialsBegeisterungsmerkmal (Attractive)Unerwartete Funktion, die die Nutzer stark anspricht.
Feedback-Möglichkeit für ArtikelLeistungsmerkmal (One-dimensional)Höhere Artikelqualität steigert die Zufriedenheit.
Mobile ZugänglichkeitBegeisterungsmerkmal (Attractive)Nutzer sind begeistert, wenn sie auch unterwegs Zugriff haben.
Automatische Aktualisierung von InhaltenLeistungsmerkmal (One-dimensional)Aktualität der Informationen steigert Zufriedenheit.
Interaktive FAQsUnerheblicher Faktor (Indifferent)Wenig bis keine Auswirkung auf die Zufriedenheit.

Analyse:

  • Basismerkmale:
    • Suchfunktion und Kategorisierung von Inhalten sind unerlässlich. Wenn diese nicht vorhanden sind, sind die Nutzer unzufrieden.
  • Leistungsmerkmale:
    • Benutzerfreundliche Oberfläche, Feedback-Möglichkeit und automatische Aktualisierung sind entscheidend. Je besser diese Merkmale sind, desto zufriedener sind die Nutzer.
  • Begeisterungsmerkmale:
    • Integration von Videos und Tutorials sowie mobile Zugänglichkeit überraschen die Nutzer positiv. Diese Funktionen sind nicht unbedingt erwartet, steigern aber die Zufriedenheit erheblich, wenn sie angeboten werden.
  • Unerhebliche Merkmale:
    • Interaktive FAQs haben keinen wesentlichen Einfluss auf die Zufriedenheit der Nutzer, da andere Informationsquellen für die Nutzer relevanter sind.

Fazit:

Durch dieses Kano-Modell kann das Entwicklungsteam der Wissensdatenbank priorisieren, welche Funktionen vorrangig umgesetzt werden sollten, um die Nutzerzufriedenheit zu maximieren. Die Basismerkmale müssen unbedingt implementiert sein, während die Begeisterungsmerkmale zusätzlichen Wert bieten und die Nutzerbindung stärken.