📌 Allgemeine Hinweise
Die TOWS-Matrix ist ein strategisches Planungswerkzeug, das Unternehmen dabei unterstützt, ihre internen und externen Faktoren zu analysieren. Sie basiert auf der SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) und ermöglicht die Ableitung von Strategien, indem verschiedene Perspektiven kombiniert werden.
🎯 Bestimmungsgemäße Verwendung
Die TOWS-Matrix wird bestimmungsgemäß verwendet für:
- Ableitung von Strategien aus einer SWOT‑Analyse (z. B. Wachstums-, Verteidigungs- oder Sanierungsstrategien).
- Entwicklung von Handlungsoptionen in Projekten (z. B. Umgang mit Risiken, Ausschöpfen von Marktchancen).
- Priorisierung von strategischen Stoßrichtungen nach Wirkung und Machbarkeit.
- Strukturierung von Strategie‑Workshops, in denen verschiedene Stakeholder gemeinsame Optionen erarbeiten.
Nicht bestimmungsgemäß ist:
- Verwendung zur detaillierten Maßnahmenplanung oder Ressourcenplanung; dafür sind andere Instrumente vorgesehen.
- Nutzung ohne vorherige SWOT‑Analyse: dann fehlen die Eingabedaten.
ℹ️ Hintergrundinformationen zu dem Werkzeug
Die TOWS-Matrix erweitert die SWOT-Analyse durch das gezielte Zusammenspiel der identifizierten Faktoren. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren von der strategischen Management-Theoretikerin Hebert D. Ansoff popularisiert. Das Hauptziel besteht darin, strategische Handlungsfelder zu ermitteln und Prioritäten für die Unternehmensführung abzuleiten.
🔁 Welche Werkzeuge alternativ verwendet werden können
Alternativ zur TOWS-Matrix können folgende Werkzeuge eingesetzt werden:
- SWOT-Analyse: Eine grundlegende Analyse zur Identifizierung der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken.
- PESTEL-Analyse: Betrachtung externer Faktoren (Politisch, Wirtschaftlich, Sozial, Technologisch, Umwelt, Rechtlich).
- Porter’s Five Forces: Analyse der Wettbewerbsintensität in einer Branche.
🔧 Welche anderen Werkzeuge unterstützen können
- SWOT‑Analyse: Pflicht‑Vorarbeit; liefert die interne und externe Faktengrundlage.
- Strategische Planungstools: Wie das BCG-Matrix-Modell oder die Ansoff-Matrix.
- Benchmarking: Vergleich mit Wettbewerbern zur Identifizierung von Stärken und Schwächen.
- Kundenumfragen: Erfassung von Feedback zur Verbesserung interner Prozesse.
👥 Benötigte Personen
Für die Anwendung der TOWS-Matrix sind folgende Personen erforderlich:
- Strategische Führungskräfte: Die das Unternehmen leiten und strategische Entscheidungen treffen.
- Moderation oder Strategieverantwortliche Person: z. B. Projektleiter, Bereichsleiter, Geschäftsführung
- Kernteam mit Kenntnis der Organisation/Projektlage (Fachvertreter, Finanz, Vertrieb, Operations, ggf. HR)
Teilnehmerzahl im Workshop idealerweise 5–15 Personen, um Vielfalt und noch gute Moderierbarkeit zu gewährleisten
⏱️ Dauer
Die Dauer für die Erstellung der TOWS-Matrix hängt von Komplexität und Vorbereitung ab:
- Vertiefung, Bewertung und Priorisierung der Strategien: nochmals 1–3 Stunden, ggf. in separatem Termin.
- Erstellung bzw. Aktualisierung der SWOT‑Analyse: von ca. 1–3 Stunden (kleines Projekt) bis zu mehreren Workshops (Unternehmensstrategie).
- Erarbeitung der TOWS-Matrix im Workshop: typischerweise 2–4 Stunden, wenn SWOT bereits vorliegt.
🗂️ Benötigtes Material
- SWOT-Analyse: Bereits durchgeführte Analyse.
- Marktforschungsberichte: Bereitstellung von externen Daten.
- Flipchart, Whiteboard oder PowerPoint-Vorlage: Zum Visualisieren der Matrix.
- Schreibmaterial: Für Notizen und Protokolle.
🧩 Gerätebeschreibung / Bauplan
Die TOWS-Matrix kann einfach auf einem Flipchart oder Whiteboard dargestellt werden. Sie besteht aus einem 2×2-Kreuz, das die vier strategischen Handlungsfelder aufzeigt:
- Stärken-Chancen-Strategie (SO-Strategie): Stärken nutzen, um Chancen zu ergreifen
- Schwächen-Chancen-Strategie (WO-Strategie): Schwächen überwinden, um Chancen zu ergreifen
- Stärken-Risiken-Strategie (ST-Strategie): Stärken nutzen, um Risiken zu minimieren
- Schwächen-Risiken-Strategie (SW-Strategie): Schwächen überwinden, um Risiken zu minimieren

🚀 Inbetriebnahme
Um die TOWS-Matrix in Betrieb zu nehmen, werden die folgenden Schritte empfohlen:
- SWOT‑Analyse vorbereiten: Sammle und strukturiere interne Stärken und Schwächen der Organisation oder des Projekts.
- Anwendungsfeld definieren: Klarstellen, für welches Thema die TOWS-Matrix eingesetzt wird (z. B. Gesamtstrategie, Produktlaunch, Projekt).
- Matrix-Vorlage erstellen: Erstelle ein leeres 2×2‑Rasterschema mit den vier Feldern SO, WO, ST, WT.
- Team einladen und Ziel klären: Lege Teilnehmer fest und kommuniziere Ziel („Strategien aus SWOT ableiten“.
⚙️ Bedienung
Die Bedienung folgt einem strukturierten Vorgehen:
- SWOT kurz rekapitulieren
- Stelle die wichtigsten Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen vor, ggf. verdichtet auf Kernfaktoren.
- SO‑Strategien entwickeln (Stärken × Chancen)
- Frage: „Wie können wir unsere Stärken nutzen, um Chancen optimal zu realisieren?“
- Kombiniere gezielt konkrete Stärken mit spezifischen Chancen und formuliere Strategien (z. B. „Starke Marke“ + „Wachsender Markt“ → Marktausbau‑Strategie).
- WO‑Strategien entwickeln (Schwächen × Chancen)
- Frage: „Wie können wir unsere Schwächen abbauen oder überwinden, um Chancen zu nutzen?“
- Identifiziere Chancen, die helfen, Schwächen zu kompensieren (z. B. „Mangelnde Digitalisierung“ + „Förderprogramme für Digitalprojekte“ → Investitionsstrategie).
- ST‑Strategien entwickeln (Stärken × Bedrohungen)
- Frage: „Wie können wir unsere Stärken nutzen, um Bedrohungen abzuwehren oder abzumildern?“
- Entwickle Verteidigungsstrategien (z. B. „Hohe Kundenbindung“ + „Neuer Wettbewerber“ → Loyalitätsprogramme).
- WT‑Strategien entwickeln (Schwächen × Bedrohungen)
- Frage: „Wie können wir Schwächen reduzieren und Bedrohungen minimieren, um Risiken zu begrenzen?“
- Formuliere Sicherungs‑ oder Rückzugsstrategien (z. B. „Abhängigkeit von einem Lieferanten“ + „Instabile Lieferketten“ → Diversifikation der Lieferanten).
- Strategien clustern, bewerten, priorisieren
- Ähnliche Strategien bündeln, auf Machbarkeit und Wirkung prüfen und priorisieren.
- Entscheidungen dokumentieren und in konkrete Projekte, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten überführen
🔄️ Wartung & Pflege
Damit das Werkzeug dauerhaft wirksam bleibt:
- Regelmäßige Aktualisierung: Wiederhole SWOT und TOWS in sinnvollen Abständen (z. B. jährlich oder bei wesentlichen Marktveränderungen).
- Pflege der Faktorenlisten: Ergänze neue Stärken, Schwächen, Chancen, Bedrohungen und streiche veraltete.
- Dokumentation: Halte Versionen der Matrix und die abgeleiteten Strategien nachvollziehbar fest (Datum, Teilnehmer, Annahmen).
- Reflexion: Prüfe nach Umsetzung, welche Strategien wirksam waren und passe zukünftige TOWS‑Workshops entsprechend an.
🌟 Expertentipps
- Fokus auf Qualität statt Quantität: Lieber wenige, klar formulierte Kernstrategien pro Feld als dutzende unscharfe Ideen
- Interdisziplinäre Teams nutzen: Verschiedene Perspektiven können zu umfassenderen Strategien führen.
- Marktentwicklungen beobachten: Bleibe flexibel und passe die Strategien an neue Chancen und Risiken an.
- Regelmäßige Reviews einplanen: Führe alle 6 Monate eine Überprüfung der TOWS-Strategien durch, um aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen.
- Von Optionen zu Maßnahmen: Formuliere in der TOWS-Matrix zunächst nur strategische Optionen, konkrete Maßnahmen in einem separaten Aktionsplan.
📝 Beispiel
Beispiel: Einsatz der TOWS-Matrix für ein mittelständisches Unternehmen, das einen neuen digitalen Service einführen will.
- Auszug SWOT (verkürzt):
- Stärken (S): Starke Marke, hohe Kundenbindung, bestehende IT‑Basis.
- Schwächen (W): Begrenzte Online‑Vertriebserfahrung, wenig digitale Marketingkompetenz.
- Chancen (O): Wachsende Nachfrage nach Online‑Services, staatliche Förderprogramme für Digitalisierung.
- Bedrohungen (T): Neue digitale Wettbewerber, steigende Kundenerwartungen an digitale Erlebnisse.
- Auszug TOWS-Strategien:
| Feld | Beispielstrategie (verkürzt) |
|---|---|
| SO | Bestehende Marke nutzen, um neuen Online‑Service gezielt an Stammkunden zu vermarkten und den wachsenden Online‑Markt zu erschließen. |
| WO | Förderprogramme einsetzen, um fehlende digitale Marketingkompetenz durch Trainings und externe Agenturen aufzubauen. |
| ST | Hohe Kundenbindung nutzen, um Beta‑Programme und Feedback‑Schleifen einzurichten, um digitalen Wettbewerbern zuvorzukommen. |
| WT | Kooperation mit einem Technologiepartner eingehen, um die eigenen Schwächen bei Online‑Vertrieb zu kompensieren und Bedrohungen durch neue Anbieter zu reduzieren. |
