📌 Allgemeine Hinweise:
Die SPACE-Analyse (Strategic Position and Action Evaluation) ist ein strategisches Werkzeug zur Bewertung der strategischen Position eines Unternehmens. Sie hilft dabei, aus internen und externen Einflussfaktoren eine geeignete strategische Grundrichtung abzuleiten. Das Ergebnis wird in einem Koordinatensystem dargestellt und zeigt, ob beispielsweise eine offensive, wettbewerbsorientierte, konservative oder defensive Strategie sinnvoll ist.
Die SPACE-Analyse ist ein Entscheidungs- und Orientierungswerkzeug. Sie liefert keine automatisch richtige Strategie, sondern unterstützt dabei, strategische Handlungsrichtungen systematisch zu beurteilen. Für eine aussagekräftige Analyse sollten die Bewertungen möglichst auf aktuellen, nachvollziehbaren Informationen beruhen. Dazu gehören beispielsweise Unternehmenskennzahlen, Marktanalysen, Wettbewerbsinformationen oder Einschätzungen von Fachleuten. Die Ergebnisse sind außerdem immer eine Momentaufnahme. Verändern sich Markt, Wettbewerb oder Unternehmenssituation, sollte die Analyse erneut durchgeführt werden.
🎯 Bestimmungsgemäße Verwendung:
Die SPACE-Analyse wird eingesetzt, um:
- die strategische Ausgangssituation eines Unternehmens zu beurteilen,
- strategische Handlungsrichtungen zu bestimmen,
- Stärken und Schwächen des Unternehmens mit der Markt- und Wettbewerbssituation abzugleichen,
- strategische Entscheidungen vorzubereiten,
- unterschiedliche Geschäftsbereiche miteinander zu vergleichen,
- Diskussionen über die zukünftige Unternehmensstrategie zu strukturieren.
Sie eignet sich besonders für Unternehmens-, Geschäftsbereichs- und Produktstrategien.
Sie sollte nicht als alleinige Grundlage für weitreichende Investitions- oder Unternehmensentscheidungen verwendet werden.
ℹ️ Hintergrundinformationen zu dem Werkzeug:
Die SPACE-Analyse wurde in den 1980er-Jahren von Alan Rowe, Richard Mason, Karl Dickel, Richard Mann und Robert Mockler entwickelt. Sie kombiniert interne und externe Faktoren in einer zweidimensionalen Matrix mit vier Quadranten. Das Ergebnis zeigt, ob eine aggressive, konservative, defensive oder wettbewerbsorientierte Strategie empfohlen wird.
SPACE steht für Strategic Position and Action Evaluation.
Die Analyse betrachtet vier zentrale Dimensionen:
- Finanzielle Stärke (FS)
Wie leistungsfähig und stabil ist das Unternehmen finanziell? - Wettbewerbsvorteil (CA – Competitive Advantage)
Wie gut ist die Position des Unternehmens gegenüber seinen Wettbewerbern? - Branchenstärke (IS – Industry Strength)
Wie attraktiv und zukunftsfähig ist die Branche? - Umweltstabilität (ES – Environmental Stability)
Wie stabil oder unsicher sind die äußeren Rahmenbedingungen?
Diese vier Dimensionen werden in einem Koordinatensystem zusammengeführt.
Typischerweise werden die Werte auf einer Skala von –6 bis +6 bewertet. Die genaue Skalierung kann je nach Anwendung angepasst werden.
Aus den Bewertungen werden zwei Koordinaten berechnet:
X-Achse: Branchenstärke (IS) + Wettbewerbsvorteil (CA)
Y-Achse: Finanzielle Stärke (FS) + Umweltstabilität (ES)
Dabei werden die Dimensionen so codiert, dass positive Werte eine günstige strategische Position und negative Werte eine ungünstige Position darstellen. Der resultierende Punkt zeigt einen Vektor in einem der vier strategischen Felder.
Die vier strategischen Richtungen
| Feld | Strategische Grundrichtung | Typische Maßnahmen |
|---|---|---|
| Offensiv / aggressiv | Wachstum und Expansion | Marktdurchdringung, Produktentwicklung, Expansion |
| Wettbewerbsorientiert | Position gegenüber Wettbewerbern verbessern | Marktanteile gewinnen, Wettbewerbsvorteile ausbauen |
| Konservativ | Bestehende Position sichern | Effizienzsteigerung, Konzentration auf Kernkompetenzen |
| Defensiv | Risiken reduzieren und Position stabilisieren | Kosten senken, Geschäftsfelder aufgeben, Restrukturierung |
🔁 Welche Werkzeuge alternativ verwendet werden können:
Je nach Fragestellung können andere strategische Analyseinstrumente eingesetzt werden:
- SWOT-Analyse: Verknüpfung von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken.
- BCG-Matrix: Bewertung von Produkten oder Geschäftsbereichen anhand von Marktanteil und Marktwachstum.
- Porter’s Five Forces: Analyse der Wettbewerbssituation innerhalb einer Branche.
- PESTEL-Analyse: Untersuchung politischer, wirtschaftlicher, sozialer, technologischer, ökologischer und rechtlicher Einflussfaktoren.
- GE-McKinsey-Matrix: Bewertung von Geschäftsfeldern nach Branchenattraktivität und Wettbewerbsstärke.
🔧 Welche anderen Werkzeuge unterstützen können:
- SWOT-Analyse: zur Vorbereitung der Faktoren für CA und FS.
- Porter’s Five Forces: zur fundierten Bewertung der Branchenstärke.
- Szenario-Analyse: zur Beurteilung zukünftiger Umweltentwicklungen.
- Finanzkennzahlen-Analyse: für präzise FS-Bewertung (ROI, Liquidität etc.)
- Markt- und Wettbewerbsanalyse: zur Bewertung der Branche
- Kundenbefragungen: zur Einschätzung von Qualität und Kundenbindung
👥 Benötigte Personen:
Grundsätzlich kann die SPACE-Analyse von 1–2 Personen durchgeführt werden.
Für eine belastbare Unternehmensanalyse empfiehlt sich jedoch ein kleines Team von etwa 3–6 Personen, beispielsweise aus:
- Geschäftsführung,
- Strategieabteilung,
- Controlling/Finanzen,
- Vertrieb/Marketing,
- Produktion bzw. Operations,
- gegebenenfalls externen Experten.
Mehrere Personen sind insbesondere deshalb sinnvoll, weil die Bewertung der einzelnen Faktoren teilweise subjektiv ist.
⏱️ Dauer:
Je nach Umfang dauert die Durchführung ungefähr:
- 60 bis 90 Minuten für eine einfache Schnellbewertung,
- 2 bis 4 Stunden für eine sorgfältige Team-Analyse,
- ein bis mehrere Tage bei umfassender Datenerhebung und Vorbereitung.
Für wichtige strategische Entscheidungen sollte die Bewertung nicht ausschließlich auf spontanen Einschätzungen beruhen
🗂️ Benötigtes Material:
- SPACE-Analyse-Arbeitsblatt
- Papier oder Whiteboard
- Stifte
- Taschenrechner bzw. Tabellenkalkulation
- Unternehmenskennzahlen
- Informationen über Wettbewerber
- Markt- und Brancheninformationen
- gegebenenfalls Ergebnisse aus SWOT-, PESTEL- oder Wettbewerbsanalysen
Eine Tabellenkalkulation wie Excel oder Google Sheets erleichtert die Berechnung.
🧩 Gerätebeschreibung / Bauplan:
Die SPACE-Analyse besteht im Wesentlichen aus einem Koordinatensystem mit vier strategischen Feldern.
Vereinfachter Bauplan:
Finanzielle Stärke
(+)
│
KONSERVATIV │ OFFENSIV
│
│
Wettbewerbs- ────────────────────┼──────────────────── Branchen-
vorteil (CA) │ stärke (IS)
│
DEFENSIV │ WETTBEWERB
│
│
(-)
Umweltstabilität
In der tatsächlichen SPACE-Matrix werden die vier Dimensionen über ihre jeweiligen Bewertungswerte zu einem strategischen Richtungsvektor zusammengeführt.
🚀 Inbetriebnahme:
- Schritt: Untersuchungsobjekt festlegen:
Zunächst festlegen, was analysiert werden soll:- gesamtes Unternehmen,
- einzelner Geschäftsbereich,
- Produkt,
- Marke oder
- strategische Geschäftseinheit.
- Schritt: Bewertungsfaktoren auswählen:
Für jede der vier Dimensionen werden geeignete Kriterien festgelegt.
Finanzielle Stärke (FS):- Cashflow
- Rentabilität
- Liquidität
- Verschuldungsgrad
- Kapitalausstattung
Wettbewerbsvorteil (CA): - Marktanteil
- Produktqualität
- Markenstärke
- Kundenbindung
- technologische Kompetenz
- Kostenposition
Branchenstärke (IS): - Branchenwachstum
- Gewinnpotenzial
- Markteintrittsbarrieren
- technologische Entwicklung
- Nachfrageentwicklung
Umweltstabilität (ES): - Inflation
- technologische Veränderungen
- Nachfrageunsicherheit
- Wettbewerbsintensität
- regulatorische Veränderungen
- wirtschaftliche Schwankungen
- Schritt: Bewertungsmaßstab festlegen:
Für jeden Faktor wird beispielsweise ein Wert zwischen 1 und 6 beziehungsweise –1 und –6 vergeben.
Wichtig ist, vorher festzulegen, was ein hoher bzw. niedriger Wert bedeutet.
⚙️ Bedienung:
1. Schritt: Faktoren bewerten:
Jeder ausgewählte Faktor erhält einen Bewertungswert.
Beispiel:
| Dimension | Faktor | Bewertung |
|---|---|---|
| Finanzielle Stärke | Rentabilität | +5 |
| Finanzielle Stärke | Liquidität | +4 |
| Finanzielle Stärke | Verschuldung | +3 |
| Wettbewerbsvorteil | Marktanteil | +4 |
| Wettbewerbsvorteil | Markenstärke | +5 |
| Branchenstärke | Branchenwachstum | +5 |
| Branchenstärke | Gewinnpotenzial | +4 |
| Umweltstabilität | technologische Veränderungen | –4 |
| Umweltstabilität | wirtschaftliche Unsicherheit | –3 |
2. Schritt : Durchschnittswerte bilden:
Für jede Dimension wird aus den einzelnen Bewertungen ein Durchschnittswert gebildet.
Beispiel:
FS = +4,0
CA = +4,5
IS = +4,5
ES = –3,5
3. Schritt: Koordinaten berechnen:
Anschließend werden die Werte für die beiden Achsen kombiniert:
X = IS + CA
X = +4,5 + (–4,5) = 0
Y = FS + ES
Y = +4,0 + (–3,5) = +0,5
Der ermittelte Punkt wird in die SPACE-Matrix eingetragen.
4. Schritt: Strategische Richtung bestimmen:
Die Lage des Punktes beziehungsweise die Richtung des Vektors zeigt, welche strategische Grundrichtung besonders geeignet erscheint.
Dabei gilt grundsätzlich:
Offensiv: Wachstum und Expansion sind attraktiv.
Wettbewerbsorientiert: Die Wettbewerbsposition sollte aktiv ausgebaut werden.
Konservativ: Konzentration auf bestehende Stärken und Stabilität.
Defensiv: Risiken und Schwächen reduzieren.
5. Schritt: Ergebnisse in konkrete Maßnahmen übersetzen:
Die SPACE-Analyse endet nicht mit dem Einzeichnen des Punktes.
Aus dem Ergebnis müssen konkrete strategische Maßnahmen abgeleitet werden.
z. B.: „Die Analyse zeigt eine offensiv ausgerichtete Position. Daher sollte das Unternehmen prüfen, ob eine Expansion in neue Märkte oder die Entwicklung neuer Produkte sinnvoll ist.“
🔄️ Wartung & Pflege:
- Regelmäßige Aktualisierung: Mindestens jährlich, bei volatilen Märkten quartalsweise.
- Datenqualität sichern: Finanzkennzahlen und Marktdaten aktuell halten.
- Teilnehmenden-Feedback: Nach jedem Durchlauf Optimierungspotenzial identifizieren.
- Dokumentation: Ergebnisse und abgeleitete Strategien archivieren für Trendanalysen.
🌟 Expertentipps:
- Nicht einfach „aus dem Bauch heraus“ bewerten: Bewertungen sollten möglichst durch Kennzahlen und Fakten unterstützt werden.
- Bewertungen nicht schönrechnen: Eine zu positive Einschätzung führt schnell zu unrealistischen Wachstumsstrategien.
- Bewertungsmaßstäbe vorher definieren: Ein Wert von „5“ sollte für alle Beteiligten dieselbe Bedeutung haben.
- Mehrere Personen bewerten lassen: Unterschiedliche Perspektiven reduzieren die Gefahr einer persönlichen Fehleinschätzung.
- Gewichte verwenden, wenn Faktoren unterschiedlich wichtig sind: Ein besonders wichtiger Faktor kann stärker berücksichtigt werden als ein weniger relevanter.
- Sensitivitätsanalyse durchführen: Prüfen, ob sich die strategische Empfehlung stark verändert, wenn einzelne Bewertungen um einen Punkt steigen oder fallen.
- SPACE nicht isoliert verwenden: Die Matrix zeigt eine strategische Grundrichtung, ersetzt aber keine detaillierte Markt-, Wettbewerbs- oder Unternehmensanalyse.
- Das Ergebnis kritisch hinterfragen: Ein „offensives“ Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass das Unternehmen expandieren sollte. Es zeigt zunächst nur, dass eine offensive Strategie unter den getroffenen Annahmen plausibel erscheint.
- Analyse und Entscheidung trennen: Die SPACE-Analyse liefert eine Orientierung. Die endgültige Strategie muss zusätzlich hinsichtlich Kosten, Risiken, Ressourcen und Umsetzbarkeit geprüft werden.
📝 Beispiel:
Ausgangssituation
Ein mittelständischer Hersteller von Batteriespeichern möchte entscheiden, ob er stärker wachsen und in weitere europäische Märkte expandieren soll. Das Unternehmen verfügt über eine gute finanzielle Situation und eine starke technologische Kompetenz. Gleichzeitig wächst der Markt für Batteriespeicher. Allerdings verändert sich die Technologie schnell und der Wettbewerbsdruck nimmt zu.
Bewertung
| Dimension | Durchschnitt |
|---|---|
| Finanzielle Stärke (FS) | +4,5 |
| Wettbewerbsvorteil (CA) | +4,0 |
| Branchenstärke (IS) | +5,0 |
| Umweltstabilität (ES) | –3,5 |
Daraus ergibt sich:
X = IS + CA
X = +5,0 – 4,0 = +1,0
Y = FS + ES
Y = +4,5 – 3,5 = +1,0
Der Punkt liegt damit im positiven Bereich und deutet auf eine eher offensive strategische Ausrichtung hin.
Mögliche Schlussfolgerung
Das Unternehmen könnte beispielsweise prüfen:
- Expansion in weitere europäische Märkte,
- Entwicklung neuer Speicherlösungen,
- Ausbau der Produktionskapazitäten,
- strategische Kooperationen,
- stärkere Investitionen in Forschung und Entwicklung.
Die SPACE-Analyse sagt dabei nicht, welche dieser Maßnahmen zwingend umgesetzt werden muss. Sie zeigt lediglich, dass aufgrund der angenommenen starken Finanz- und Branchenposition eine wachstumsorientierte Strategie grundsätzlich plausibel ist.
