Innovationsmatrix


📌 Allgemeine Hinweise

Die Innovationsmatrix ist ein Werkzeug, mit dem Innovationsideen systematisch eingeordnet und bewertet werden. Sie zeigt, wie neu eine Idee ist und in welchem Bereich sie Veränderungen hervorruft. Die Matrix hilft dabei, Innovationsvorhaben zu vergleichen, Risiken einzuschätzen und passende nächste Schritte festzulegen.
Eine Innovation muss nicht immer eine völlig neue Erfindung sein. Auch eine deutliche Verbesserung eines bestehenden Produkts, ein effizienterer Prozess oder ein neues Geschäftsmodell kann eine Innovation darstellen.
Die Innovationsmatrix unterstützt dabei, zwischen folgenden Arten zu unterscheiden:

  • Inkrementelle Innovation (Optimierung): Bestehende Technologien werden für den bestehenden Markt leicht verbessert.
    • Ziel: Effizienz steigern, Kosten senken, Kunden halten.
    • Beispiel: Ein Smartphone-Hersteller bringt ein Modell mit einer etwas besseren Kamera heraus.
  • Radikale / Disruptive Innovation (Neuland): Eine völlig neue Technologie bedient einen neuen Markt oder verändert den bestehenden Markt grundlegend.
    • Ziel: Neue Märkte erschließen, zukünftiges Wachstum sichern, Spielregeln der Branche verändern.
    • Beispiel: Der Übergang von klassischen Mobiltelefonen zu Smartphones (Apple iPhone) oder digitale Fotografie statt Film.
  • Architektonische Innovation (Rekombination): Bestehende Technologien werden neu verknüpft, um einen völlig neuen Markt zu bedienen.
    • Ziel: Neue Anwendungsbereiche für bereits vorhandenes Wissen finden.
    • Beispiel: Die Nutzung von GPS (ursprünglich Militärtechnologie) für zivile Navigationssysteme und Fitness-Tracker.
  • Modulare / Konzeptuelle Innovation (Erneuerung): Eine neue Technologie wird in ein bestehendes Produkt- oder Marktsystem integriert, ohne die Kernarchitektur zu verändern.
    • Ziel: Kernkomponenten modernisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
    • Beispiel: Der Austausch eines Verbrennungsmotors durch einen Elektromotor in einer bestehenden Automobilplattform.

Die Matrix liefert keine automatische Entscheidung. Sie ist ein Denk- und Bewertungswerkzeug.


🎯 Bestimmungsgemäße Verwendung

Die Innovationsmatrix wird verwendet, um:

  • Innovationsstrategien zu entwickeln,
  • Ideen zu ordnen,
  • Innovationsprojekte zu vergleichen,
  • besonders neuartige Vorhaben zu erkennen,
  • Entwicklungsrisiken einzuschätzen,
  • Prioritäten festzulegen,
  • Ressourcen sinnvoll zu verteilen,
  • Innovationsportfolios ausgewogen zu gestalten,
  • bestehende und neue Angebote einzuordnen.

ℹ️ Hintergrundinformationen zu dem Werkzeug

Innovationen unterscheiden sich vor allem durch ihren Neuheitsgrad und ihren Wirkungsbereich. Eine Verbesserung an einem bestehenden Produkt ist beispielsweise weniger weitreichend als ein vollständig neues Geschäftsmodell. Ebenso kann ein neuer Produktionsprozess für das Unternehmen sehr neu sein, obwohl die zugrunde liegende Technologie am Markt bereits bekannt ist. Eine einfache Innovationsmatrix kann daher zwei Achsen verwenden:

  • Neuheitsgrad: gering bis hoch
  • Veränderungsbereich: Produkt/Dienstleistung bis Prozess/Geschäftsmodell

Eine weitere verbreitete Variante bewertet:

  • Neuheit für das Unternehmen
  • Neuheit für den Markt

In der Praxis sollte immer eindeutig festgelegt werden, welche Achsen verwendet werden. Im Folgenden wird eine Matrix nach dem Neuheitsgrad und dem Veränderungsumfang verwendet.


🔁 Welche Werkzeuge alternativ verwendet werden können

Je nach Ziel können auch folgende Werkzeuge eingesetzt werden:

  • SWOT-Analyse: Bewertung von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken.
  • Produkt-Markt-Matrix: Untersuchung von Wachstumsstrategien mit bestehenden oder neuen Produkten und Märkten.
  • Know-how-Innovationsmatrix: Bewertung des erforderlichen und vorhandenen Wissens.
  • Business Model Canvas: Analyse und Entwicklung eines Geschäftsmodells.
  • BCG-Matrix: Bewertung von Produkten oder Geschäftsbereichen.
  • Portfolioanalyse: Vergleich von Projekten anhand mehrerer Kriterien.

🔧 Welche anderen Werkzeuge unterstützen können

Die Innovationsmatrix lässt sich besonders gut mit folgenden Methoden kombinieren:

  • Brainstorming: Erzeugt neue Innovationsideen.
  • Design Thinking: Unterstützt die Entwicklung kundenorientierter Lösungen.
  • SWOT-Analyse: Untersucht die Rahmenbedingungen einer Innovation.
  • Marktanalyse: Prüft Kundenbedarf und Marktpotenzial.
  • Kosten-Nutzen-Analyse: Bewertet Aufwand und erwarteten Nutzen.
  • Technologie-Roadmap: Zeigt, welche Technologien für die Umsetzung benötigt werden.

👥 Benötigte Personen

Für eine einfache Einordnung genügt eine Person mit guten Kenntnissen des Vorhabens.

Für eine belastbare Bewertung empfiehlt sich ein interdisziplinäres Team aus:

  • Unternehmensleitung,
  • Produktentwicklung,
  • Forschung und Entwicklung,
  • Marketing,
  • Vertrieb,
  • Produktion oder IT,
  • Controlling,
  • Kundenservice,
  • gegebenenfalls externen Fachleuten.

Kunden oder Nutzer können ebenfalls einbezogen werden, da sie den wahrgenommenen Nutzen und den Neuheitsgrad beurteilen können.


⏱️ Dauer

Die ungefähre Dauer beträgt:

  • Einzelne Idee: 20 bis 45 Minuten
  • Workshop mit mehreren Ideen: 2 bis 4 Stunden
  • Umfassende Innovationsportfolio-Analyse: ein bis mehrere Tage

Die Einordnung selbst ist meist schnell. Mehr Zeit wird benötigt, wenn Marktinformationen, Kosten, technische Machbarkeit oder Kundenbedürfnisse sorgfältig geprüft werden sollen.


🗂️ Benötigtes Material

Benötigt werden:

  • Papier und Stifte oder ein Whiteboard,
  • digitale Haftnotizen oder ein Online-Kollaborationstool,
  • eine Liste der Innovationsideen,
  • Informationen über Kunden und Märkte,
  • Daten über bestehende Produkte und Prozesse,
  • Schätzungen zu Kosten und Aufwand,
  • Kenntnisse über verfügbare Technologien und Kompetenzen.

🧩 Gerätebeschreibung / Bauplan

Die Innovationsmatrix besteht aus zwei Achsen:

  • Waagerechte Achse: Neuheitsgrad der Technologie
  • Senkrechte Achse: Neuheitsgrad des Marktes

Ein möglicher Bauplan sieht so aus:

Bestehende TechnologieNeue Technologie
Bestehender MarktInkrementelle Innovation
(Optimierung)
Modulare / Konzeptuelle Innovation (Erneuerung)
Neuer MarktArchitektonische Innovation (Rekombination)Radikale / Disruptive Innovation
(Neuland)

🚀 Inbetriebnahme

  1. Ziel festlegen
    Entscheiden Sie, ob einzelne Ideen, ein Entwicklungsportfolio oder ein gesamtes Geschäftsfeld untersucht werden soll.
  2. Innovationsideen sammeln
    Erfassen Sie alle relevanten Vorschläge, Projekte und Vorhaben.
  3. Bewertungskriterien definieren
    Legen Sie fest, was „neu“ bedeutet: neu für das Unternehmen, neu für den Markt oder neu für die gesamte Branche.
  4. Achsen erklären
    Alle Beteiligten müssen dasselbe Verständnis von Neuheitsgrad und Veränderungsumfang haben.
  5. Informationen zusammentragen
    Ergänzen Sie die Ideen durch Markt-, Kunden-, Kosten- und Technologiedaten.
  6. Ideen auf der Matrix platzieren
    Ordnen Sie jede Idee an der Stelle ein, die ihre Eigenschaften am besten beschreibt.

⚙️ Bedienung

  1. Innovationsidee beschreiben:
    Formulieren Sie jede Idee möglichst konkret: „Entwicklung einer wiederverwendbaren Verpackung mit Rückgabesystem.“
    Eine unklare Beschreibung wie „nachhaltiger werden“ ist für die Matrix nicht ausreichend.
  2. Neuheitsgrad bestimmen:
    Fragen Sie:
    • Ist die Lösung für unser Unternehmen neu?
    • Ist sie für unsere Kunden neu?
    • Gibt es ähnliche Lösungen bereits am Markt?
    • Verwendet die Idee bekannte oder neue Technologien?
    • Verändert sie die bisherigen Gewohnheiten der Nutzer?
  3. Veränderungsumfang bestimmen:
    Fragen Sie:
    • Wird nur ein Produkt verbessert?
    • Muss ein kompletter Prozess umgestellt werden?
    • Sind neue Kompetenzen oder Abteilungen erforderlich?
    • Verändert sich die Zusammenarbeit mit Kunden oder Lieferanten?
    • Entsteht ein neues Geschäftsmodell?
  4. Idee einordnen:
    Ordnen Sie die Idee einem der vier Bereiche zu:
    • Inkrementelle Verbesserung: Bestehende Technologien werden für den bestehenden Markt leicht verbessert.
    • Konzeptuelle Innovation: Eine neue Technologie wird in ein bestehendes Produkt- oder Marktsystem integriert, ohne die Kernarchitektur zu verändern.
    • Architektonische Innovation: Bestehende Technologien werden neu verknüpft, um einen völlig neuen Markt zu bedienen
    • Radikale Innovation: Eine völlig neue Technologie bedient einen neuen Markt oder verändert den bestehenden Markt grundlegend.
  5. Ideen bewerten:
    Zusätzliche Bewertungskriterien können sein:
    • erwarteter Kundennutzen,
    • Umsatzpotenzial,
    • strategische Bedeutung,
    • technologische Machbarkeit,
    • Investitionsbedarf,
    • Umsetzungsdauer,
    • Risiko,
    • vorhandene Kompetenzen,
    • Beitrag zu Nachhaltigkeit.
  6. Prioritäten festlegen:
    Eine hohe Neuigkeit bedeutet nicht automatisch eine hohe Priorität. Ein kleines Verbesserungsprojekt kann kurzfristig mehr Nutzen bringen als eine radikale Innovation. Bewährt hat sich eine Einteilung in:
    • kurzfristig umsetzbare Vorhaben,
    • mittelfristige Entwicklungsprojekte,
    • langfristige und risikoreiche Innovationsprojekte.

🔄️ Wartung & Pflege

Die Innovationsmatrix sollte regelmäßig aktualisiert werden:

  • bei neuen Markt- oder Technologietrends,
  • nach Kundenbefragungen,
  • bei veränderten Wettbewerbsbedingungen,
  • nach Abschluss eines Innovationsprojekts,
  • bei neuen gesetzlichen Anforderungen,
  • während der jährlichen Strategieplanung.

🌟 Expertentipps

  • Innovationsgrad nicht mit Erfolg gleichsetzen: Eine radikale Innovation ist nicht automatisch wirtschaftlich erfolgreicher als eine kleine Verbesserung.
  • Bewertungskriterien vorher festlegen: Dadurch werden verschiedene Ideen besser vergleichbar.
  • Nicht nur Produkte betrachten: Auch Prozesse, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle können innovativ sein.
  • Kundenperspektive einbeziehen: Entscheidend ist nicht nur, was technisch neu ist, sondern auch, welchen Nutzen die Innovation bietet.
  • Weitere Kriterien ergänzen: Zum Beispiel Kosten, Marktpotenzial, technisches Risiko oder benötigte Kompetenzen.
  • Nicht zu viele Informationen in eine Matrix packen: Die Matrix sollte vor allem der Übersicht dienen. Eine detaillierte Bewertung kann anschließend mit weiteren Werkzeugen erfolgen.

📝 Beispiel : Innovationsmatrix für einen Fahrradhersteller

Ein Fahrradhersteller bewertet verschiedene Innovationsideen anhand von zwei Achsen:

  • Waagerechte Achse: Neuheitsgrad der Technologie
    von „bestehende Technologie“ bis „völlig neue Technologie“
  • Senkrechte Achse: Neuheitsgrad des Marktes
    von „bekannter Markt“ bis „neuer Markt“
Bestehende TechnologieNeue Technologie
Bestehender MarktSchrittweise Innovation
Leichterer Fahrradrahmen oder verbesserte Gangschaltung für bisherige Privatkunden
Technologische Innovation
Entwicklung eines E-Bikes mit neuartigem Akku und deutlich größerer Reichweite für bestehende Fahrradkunden
Neuer MarktMarkterweiterung
Verkauf bestehender E-Bikes an Lieferdienste und Kurierunternehmen
Radikale Innovation
Entwicklung autonom fahrender Lastenfahrräder für die Paketzustellung

Erklärung der vier Felder

1. Bestehende Technologie – bestehender Markt
Beispiel: Der Hersteller verbessert den Fahrradrahmen oder die Gangschaltung.

  • Technologie ist bereits bekannt.
  • Kunden und Markt sind bekannt.
  • Risiko und Entwicklungsaufwand sind eher gering.
  • Es handelt sich meist um eine schrittweise Innovation.

2. Neue Technologie – bestehender Markt
Beispiel: Der Hersteller entwickelt ein neuartiges Batteriesystem für seine bisherigen E-Bike-Kunden.

  • Die Zielgruppe bleibt gleich.
  • Die Technologie ist neu oder bisher nicht im Unternehmen vorhanden.
  • Der Hersteller muss möglicherweise neue Kompetenzen aufbauen.
  • Das technische Risiko ist höher als bei einer einfachen Produktverbesserung.

3. Bestehende Technologie – neuer Markt
Beispiel: Bestehende E-Bikes werden an Lieferdienste, Hotels oder Kurierunternehmen verkauft.

  • Das Produkt und die Technologie sind weitgehend bekannt.
  • Der Zielmarkt ist neu.
  • Neue Anforderungen an Ausstattung, Service, Vertrieb und Preisgestaltung können entstehen.
  • Das Marktrisiko ist höher als das Technologierisiko.

4. Neue Technologie – neuer Markt
Beispiel: Der Hersteller entwickelt autonome Lastenfahrräder für die Paketzustellung.

  • Die Technologie ist neu.
  • Der Zielmarkt ist ebenfalls neu oder noch wenig entwickelt.
  • Es sind umfangreiche Forschungsarbeiten, Tests und möglicherweise neue Zulassungen erforderlich.
  • Diese Kombination bietet große Chancen, ist aber auch mit dem höchsten Risiko verbunden.

Bewertung des Beispiels

InnovationsideeTechnologierisikoMarktrisikoPriorität
Leichterer Fahrradrahmengeringgeringkurzfristig umsetzen
Neues Akku-SystemhochgeringPilotprojekt und technische Tests
E-Bikes für Lieferdienstegeringmittel bis hochMarktanalyse und Kundenpilot
Autonome Lastenfahrrädersehr hochhochlangfristiges Forschungsprojekt

Die Matrix zeigt, dass Innovationen mit neuer Technologie und neuem Markt besonders sorgfältig geprüft werden müssen. Sie können langfristig große Wachstumschancen bieten, benötigen aber meist mehr Kapital, Zeit und Fachwissen.